Spuren im Film „No Country for Old Men“

Zusammenfassung

Wie in keinem anderen ihrer Filme verwenden die Brüder Joel und Ethan Coen in ihrem 2007 veröffentlichten Film No Country for Old Men das ästhetische Mittel der (inszenierten) Spur, dem sich dieser Betrag von einer literaturwissenschaftlich-kunsthistorischen Perspektive aus zu nähern sucht. Der Film liefert zahlreiche Beispiele dafür, in welchen Formen Spuren auftreten können, und inszeniert diese filmisch exponiert bewusst als spannungsgenerierende Elemente, die gerade aufgrund ihres unterbestimmten Verweisens und ihrer ausgestellten Beiläufigkeit unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Ihr ästhetisches Potential liegt in dem durch sie provozierten Überschuss an Sinn. Sie fordern den Betrachter auf, das Gedächtnis arbeiten zu lassen und in einem performativen Akt Erinnerungen zu aktivieren und imaginative Bilder zu erzeugen, die zu einem Mehrwert an Bedeutung führen. Die Wahrscheinlichkeit, mit der wir etwas Spur nennen, scheint umso größer zu sein, je mehr uns das Wirken von Zeit und schließlich die Abwesenheit eines ‚ursprünglich’ Anwesenden zu Bewusstsein treten. Nicht zufällig sind daher das Erinnern, das Altern und der Tod zentrale Themen des Films. An seinem Ende steht jedoch eine Traumvision, die zeigt, dass die Spuren der Vergangenheit auch in die Zukunft weisen. So ist die Spur in einem Augenblick Zeichen des Vergehens und Werdens zugleich.

Lars Köllner (M.A.) studierte Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte, Kulturwissenschaft und Philosophie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, der Université de Paris – Sorbonne, Paris IV sowie der Universität Basel. Am Germanistischen Institut der Universität Münster war er als studentische Hilfskraft bei Prof. Detlef Kremer tätig.

1. Die Spur als Spiel von unterbestimmten Verweisungen

Wie in keinem anderen ihrer Filme verwenden die Brüder Joel und Ethan Coen in ihrem 2007 veröffentlichten Film No Country for Old Men das ästhetische Mittel der Spur.

Ein pneumatisches Bolzenschussgerät für Schlachter auf dem Beifahrersitz eines Streifenwagens, das der Zuschauer nicht sogleich zu identifizieren vermag, bereitet das Thema vor, das die Coen-Brüder verfolgen: ein Spiel mit Rudimenten, die stets etwas zeigen. Doch was genau über den bloßen Gegenstand hinaus sich zeigt bleibt dabei zunächst oftmals unterbestimmt und interpretationsbedürftig.